Wer züchtet den grössten Kürbis?

Zwei Familien im Wettbewerb

In Rubigen nimmt Sandra Buchs mit ihrer Familie die Herausforderung an.

Die Familie Rohrer und Haslebacher erhofft sich einen 13-Kilo-Kürbis.

In Rubigen ist die Haltung zu Kürbis klar: «Gemüse haben die Kinder eh nicht gern, aber wenn es zur Kürbissuppe noch ein Würstli dazugibt, dann geht es», sagt Sandra Buchs und lacht. Anders klingt es von ihrer Tochter: Livia meint: «Ob ich Kürbis mag, kommt auf die Sorte an.»

Im Oberfeld in Ostermundigen ist der Kürbis in der Familie Rohrer und Haslebacher ein gern gesehenes Abendessen: Ob als Suppe, Risotto oder Quiche, spielt keine Rolle. Mit Kürbisziehen hingegen haben die drei wenig Erfahrung.

Just nach den Eisheiligen lancieren wir einen Wettbewerb mit den beiden Familien. Wer im Herbst den grössten Kürbis ernten kann, bekommt von uns eine Kürbissuppe gekocht. Zuerst einmal müssen wir einkaufen:

Was in Rubigen dem Kürbis an die Blätter könnte, wären Schnecken, doch derzeit hat die Familie Buchs einen Igel im Garten, der die Schnecken beseitigt, sprich frisst. Ein weiteres Problem könnten Hagelzüge sein, die ab und zu vorbeiziehen. Oder die dreifache Mutter Sandra Buchs vergisst, täglich zu kontrollieren, ob die Schnecken angegriffen haben.

Mit einer Schneckenplage ist in Ostermundigen nicht zu rechnen, da der Kürbis auf einem Balkon steht. Um den grösseren Kürbis zu züchten, hoffen die Wettbewerbsteilnehmer hier auf Hilfe aus der Nachbarschaft, Lukas hat mit der Kompostgruppe vereinbart, dass er beste Erde erhält. Zudem hat er ein Maskottchen, nämlich seine anderthalbjährige Tochter Meret, die fleissig zur Giesskanne greift. Ein Nachteil allerdings könnte Lukas Rohrers fehlendes Flair fürs Gärtnern sein.

Monsterkürbisse nur mit der Sorte Atlantic Giant

Eine Tonne schwer muss der Kürbis ja nicht gerade werden, wie derjenige des Zürcher Gärtners Beni Meier. Dessen Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, mit dem hat er erstmals die Schallgrenze von 1000 Kilogramm gesprengt. Meier holte damit 2014 den Weltrekord nach Europa. Er ist eine Instanz in der Kürbiszucht und damit der richtige Ratgeber für Neulinge im Geschäft. Erstes ­Gebot: Kürbisse hassen Kälte. Zweites Gebot: Sie brauchen «feissen» Boden. «Ich nehme jeweils Komposterde. Man kann die Pflanze sogar direkt auf den Kompost pflanzen.» Als Dünger empfiehlt er einen Standard­gemüsedünger. Kürbispflanzen brauchen an heissen Tagen viel Wasser, können aber Staunässe nicht ausstehen. Auch nasse Blätter in feuchtheissen Nächten schaden der Pflanze, dann kann sich Mehltau ausbreiten.




Die erfolgreiche Rekordjagd ­beginnt mit der Wahl der richtigen Sorte. Für Meier kommt da nur Atlantic Giant infrage. Besonders potente Samen dieser Sorte werden zu weit über 1000 Franken versteigert. Meiers Saatgut brachte ihm an einer Auktion einmal 1250 englische Pfund ein – für einen Samen!

Wichtig ist, die Pflanze richtig zu trimmen. Meier empfiehlt: «Nur einen Haupttrieb gehen lassen. Seitentriebe müssen herausgebrochen werden.» Sogar überzählige Blätter entfernt der Fachmann. Weil der Kürbis Wärme liebt, zieht er seine Rekordpflanzen im Folientunnel. Da Kürbisse einhäusige Pflanzen sind, reicht eine Pflanze, damit sie Früchte ansetzen.

Von der Blüte bis zur Ernte vergehen etwa 100 Tage. Über den ­Daumen gepeilt legte sein Elefantenkürbis also durchschnittlich 10 Kilogramm pro Tag zu. Am ­Anfang sind es freilich weniger. Ende Juli, Anfang August, weiss Meier, kommen rund 25 Kilogramm täglich hinzu. «Dann sieht man ihn wachsen», sagt er.
Und was macht Meier dann mit diesen Monstern? Sie werden als Prestigeobjekte und Publikumsmagnete ausgestellt. «Aber man könnte sie auch essen», fügt er hinzu. Am liebsten sind ihm aber die Sorten Butternuss und Potimarron, und zwar so, wie sie seine Frau zubereitet.

Den Weltrekord ist Meier, der zusammen mit seiner Schwester in dritter Generation die Familiengärtnerei führt, bereits wieder los. Der belgische Züchter Mathias Willemijns schraubte das Gewicht auf sagenhafte 1190 Kilo hinauf. Den Rekord zurück in die Schweiz zu holen, kann für unsere Familien in Ostermun­digen und Rubigen nicht das Ziel sein. Aber dennoch: Die Wette gilt!

Fotos: Claudia Salzmann/key
Konzept: cla/cab
Text: Claudia Salzmann/Christoph Aebischer
Video/Schnitt/Umsetzung: cla

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