Willkommen im Dschungel

Costa Rica wird häufig als «Schweiz von Zentralamerika» bezeichnet.

Dies, obwohl endlos scheinende Urwälder...

...aktive Vulkane...

...sowie perfekte Surfstrände nicht gerade typisch schweizerisch sind.

«Guys, this is important: If I shout, you have to paddle hard!» Wir stehen irgendwo im Dschungel von Costa Rica, vor uns zieht der Pacuare-Fluss vorbei, am Ufer sind fein säuberlich vier Schlauchboote aufgereiht, die Paddel liegen bereit. Wir tragen Helme und Schwimmwesten, es riecht nach Abenteuer.

An dieser Stelle sieht der Fluss noch einigermassen gemächlich aus, doch ich bin mir sicher, dass sich dies nach den ersten paar Kurven ändert. Die englischen, mit spanischem Akzent ausgesprochenen Anweisungen von Tourguide Max unterstreichen meine Vermutung. «Nervous? Let’s go!»

Die blauen Boote sowie unsere orangen Schwimmwesten durchbrechen die Grün- und Brauntöne des Dschungels und des Flusses. Am paradiesischen Anblick kann ich mich kaum satt sehen. «Christian, mach mal was!» Unser Reisebegleiter reisst mich aus meinen Tagträumereien raus.

Paddeln ist angesagt, laut tosend und schäumend kündigt sich die erste Stromschnelle an. Was wir kurz zuvor im seichten Wasser geübt haben, wird jetzt zum Ernstfall: Nach links lehnen, nach rechts lehnen, sich ducken, das Ruder um jeden Preis festhalten und stark paddeln. Wir überstehen die erste Schnelle mit Bravour, unser Guide zeigt sich zufrieden. Zahlreiche weitere Schlüsselstellen, sogenannte Rapids, folgen, wir werden rasch geübter und können schliesslich unsere River-Rafting-Tour in vollen Zügen geniessen.

Paddeln ist angesagt, laut tosend und schäumend kündigt sich die erste Stromschnelle an.

Wasserfälle und Nervenkitzel

Anderthalb Stunden später beruhigen sich die Wogen des Flusses, inmitten des Urwalds steigen wir aus unseren Booten und finden uns in einer Art Dschungeldorf wieder. «Welcome to the jungle!» Das Personal der Pacuare Lodge steht mit Willkommensdrinks und Erfrischungslappen bereit.

Spätestens beim Bezug unserer Logen wird klar: Das hier ist purer Luxus, irgendwo im Nirgendwo. Offiziell ist das Gelände nur via Fluss oder per Helikopter erreichbar, wer mit dem Auto kommt, muss einen Fussmarsch auf sich nehmen. Die Unterkünfte sind förmlich im Dschungel eingebettet, das Gourmet-Restaurant befindet sich direkt am Fluss.

Was der Schweizer bisher nur aus Filmen wie «Tarzan» oder dem «Dschungelbuch» kannte, wird hier erlebbar. Hier gibt es abgelegene Wasserfälle, unter denen man baden kann. Ein Abendessen in einem Baumhaus, hoch über den Dächern der Lodge. Hier kann man sich an einem Drahtseil befestigt von Baum zu Baum bewegen und dabei die Aussicht geniessen.

Und hier gibt es – wie im Dschungel üblich – Faultiere, Affen, Tukane und Frösche, aber auch Schlangen, Spinnen, Skorpione, Käfer. «Es ist unmöglich, nach Costa Rica zu kommen, ohne eine Schlange zu sehen», hat mir eine Amerikanerin gesagt, die hierher ausgewandert ist. Sie sollte recht behalten.

Costa Rica ist die Schweiz von Zentralamerika. Diesen Satz sagen Reiseführer, ausgewanderte Schweizer sowie Hotelbesitzer gerne zu europäischen Touristen. Über die Begründung ist man sich offensichtlich nicht einig. Meine persönliche Erklärung für den populären Vergleich besteht darin, dass beide Länder auf vergleichsweise kleinem Raum erstaunliche Gegensätze aufweisen.

Was der Schweizer bisher nur aus Filmen wie «Tarzan» oder dem «Dschungelbuch» kannte, wird hier erlebbar.

Rauch über La Fortuna

Mittels River-Rafting gelangen wir zwei Tage später wieder aus dem Dschungel, nach wenigen Stunden Autofahrt erreichen wir La Fortuna. Das Städtchen liegt am Fusse des Arenal, des wohl bekanntesten Vulkans des Landes. 2010 floss aus dem Arenal letztmals Lava, seither ist der Vulkan ruhiger geworden, auch wenn zum Zeitpunkt unserer Reise Rauch aus dem Krater aufsteigt.

La Fortuna ist ein touristischer Hotspot, die Ortschaft dient als Ausgangspunkt für zahlreiche Aktivitäten, die sich alle um den Vulkan drehen. Wir verbringen den Nachmittag in den Ecotermales, einer Art Outdoor-Thermalbad. Das Wasser fliesst hier warm aus dem vulkanischen Gestein in die Becken. Die Bäder befinden sich unter schattenspendenden Bäumen, so dass sich das warme Bad trotz brütender Hitze angenehm anfühlt.

La Fortuna ist ein touristischer Hotspot, die Ortschaft dient als Ausgangspunkt für zahlreiche Aktivitäten, die sich alle um den Vulkan drehen.

Yoga, Regenwald, Ozean

Baden lässt sich in Costa Rica nicht nur an heissen Quellen, sondern auch im Meer. Wir besuchen Nosara, ein Dorf an der Pazifikküste. Noch wirkt Nosara klein, authentisch und verschlafen. Die meisten Strassen sind hier nicht asphaltiert, grosse Shopping-Malls und Partymeilen sucht man vergeblich.

Doch es zeichnet sich ein Boom ab: Die Gegend ist einerseits bei Backpackern beliebt, insbesondere wegen des viel gerühmten regelmässigen Wellengangs am Strand Playa Guiones, der sich sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene ideal zum Surfen eignet.

Andererseits hat sich Nosara in den letzten Jahren zu einem eigentlichen Yoga-Mekka entwickelt. Mehrere Hotels verfügen über ein Yoga-Studio mit Blick auf Regenwald und Ozean. Wir probieren beide Trendsportarten aus. Auf dem Surfbrett fühle ich mich bedeutend wohler als auf der Yogamatte.

Ich liege bäuchlings auf dem Board, den Blick Ricktung Strand gerichtet. Von hinten ist die sich anbahnende Welle zu hören, die ich gerne reiten möchte. Ich strecke meine Arme zur Seite aus, bereite mich mittels Ruderbewegungen auf die Welle vor. Ich nehme den Befehl des Surflehrers wahr; jenen Befehl, den ich auch schon auf dem Schlauchboot befolgen musste, draussen im Dschungel: «Paddle hard!»

Noch wirkt Nosara klein, authentisch und verschlafen. Die meisten Strassen sind hier nicht asphaltiert, grosse Shopping-Malls und Partymeilen sucht man vergeblich.

Tipps & Infos

Reisezeit: In Costa Rica herrscht tropisches Klima. Die Regenzeit beginnt jeweils im Mai und endet je nach Region zwischen November und Januar. Costa Rica kann ganzjährig besucht werden.

Reisehinweise: Offiziell wird in Costa Rica mit dem Colon bezahlt. An den meisten Orten wird aber auch der amerikanische Dollar akzeptiert. Im Vergleich zu anderen zentral- und südamerikanischen Ländern hält sich die Kriminalität in Costa Rica in Grenzen. Doch auch hier gilt: Nicht mehr Geld als unbedingt nötig bei sich tragen, Auto abschliessen und nichts Wertvolles darin liegen lassen.

Anreise: Edelweiss Air fliegt seit Mai 2017 zweimal wöchentlich von Zürich nach San José, der Hauptstadt von Costa Rica. Es ist dies die einzige Direktverbindung aus der Schweiz. www.flyedelweiss.com

Weiterführende Infos zur im Text erwähnten Pacuare Lodge unter www.pacuarelodge.com. Infos zu Costa Rica unter www.visitcostarica.com.


Übersicht: Hier befinden sich die im Text erwähnten Orte.

Schauen Sie sich die Höhepunkte der Reise in diesem Kurzfilm an.

Diese Reisereportage entstand mit Unterstützung von Edelweiss Air und des Costa Rica Tourist Board.

Fotos: Joseph Khakshouri
Video: Edelweiss/Roberto Garcia (freshcom)
Text: Christian Häderli
Umsetzung: Christian Häderli

© Tamedia